Der Wunsch, bis ins hohe Alter potent zu sein, ist so alt wie das Menschengeschlecht. Aus dem Wunsch von einst ist heute ein gesellschaftliches Muss geworden – Impotenz ist fast ein Tabuwort. In einer Zeit wie der unseren gesteht man einem Abendländer zwar zu, dass mit fortschreitendem Alter die Sehkraft nachlässt, aber keinesfalls die Durchblutung im kleinen Becken. Insofern war die stürmische Nachfrage nach Viagra verständlich.

Die Natur hält jedoch eine Vielzahl von Pflanzen bereit, die für die Steigerung der List und intensive Liebesgefühle im Schlafzimmer sorgen. Der Gebrauch von Aphrodisiaka – so heißen diese begeehrten Pflanzen – hat in fernöstlichen Kulturen, wo die Sexualität einen anderen Stellenwert besizt, eine lange Tradition.

Einteilung der Liebesmittel der Natur

Bei der Un­tersuchung der Liebesmitteln aus der Natur, den natürlichen Aphrodisiaka, zeigt sich, dass man die Pflanzen der Liebe in mehre­re Kategorien einteilen kann:

  1. Stimulanzien: Pflanzen, die wach ma­chen und erregen, wie Coka, Kakao und Meerträubel.
  2. Aromata: Pflanzen, deren Duftstoffe ei­ne betörende oder wohlriechende Wirkung haben, z. B. Lilien, Rosen und Vanille.
  3. Tonika: Pflanzen, die Körper und Geist stärken, wie Eleutherokokkus und Ginseng.
  4. Pflanzen, die euphorisierend wirken, wie etwa Hanf und Mohn.
  5. Pflanzen, die als Neurotransmitter im se­xuellen Teil des Nervensystems wirken, wie z. B. der Yohimbe-Baum

Aphrodisiaka auf pflanzlicher Basis

Ananas

Die saftigen Früchte sind nahr­haft, sie wirken entwässernd und entschlackend. Neben ihrem Gehalt an Vitaminen, organischen Säuren, eiweißverdauendem Bromelain und Mineralsalzen sind sie außerdem reich an Kohlehydraten.

Ihr aphrodisierender Effekt wird verstärkt, indem Fruchtstücke mit Chili bestreut oder zusam­men mit Honig in Rum reingelegt werden.

Anis

wird seit dem Altertum als Gewürz und Heilpflanze kultiviert. Die Verwendung als Aphrodisiakum geht auf Dioskurites zurück. Die heilenden und aphrodisieren­den Eigenschaften waren die Gründe, dass Griechen und Römer diese Pflanze liebten.

Leonhardt Fuchs vermerkt in seinem „New-Kreueterbuch“ von 1543: „So bringt den Weibern Anissamen die Milch und mehret die Lust.“ Bei Wichtel ist 1984 nachzulesen, dass Anis möglicherweise auch eine östrogene Wirkung hat.

Basilikum

Basilikum enthält ein stimulierendes ätherisches Öl. Erfahrungen der Volksheilkunde zeigen, dass die Droge aber auch eine beruhigende Wirkung besitzt. Bei Wöchnerinnen wird Basilikumkraut zur Steigerung des Milchflusses eingesetzt.

Betelpalme

In Ostafrika werden Betel­nussscheiben in ein Blatt des Betelpfeffers eingewickelt und gekaut. Die Wirkung ist sanft berauschend und aphrodisierend.

Chili

Chili verdankt seine Schärfe den Alka­loiden. Sie wirken fiebersenkend, kreislaufanregend, verdauungsfördernd und anti­bakteriell. Als Mittel gegen Impotenz wird Chili aufgrund seiner allgemein anregen­den Wirkung eingesetzt.

Durian

Wer nach Thailand oder Indonesien reist, kann dort die sogenannte Stinkfrucht Duri­an probieren. Das Fruchtfleisch schmeckt köstlich und soll eine aphrodisische, anre­gende Wirkung haben.

Fenchelsamen

Fenchelsamen dienen seit dem Altertum als Medizin und Gewürz. Die Knollen werden als Gemüse zubereitet. Sie ent­halten u. a. Ostrogene.

Ginseng

Die Ginsengwurzel gilt als „Verbindung von Himmel und Erde“. Die Droge hat eine anregende und stimulierende Wirkung auf Körper und Geist. Laboruntersuchungen zeigen, dass der Inhaltsstoff von Ginseng stimulierend auf das Immunsystem wirkt.

Ingwer

In Indien und China wird seit frühester Zeit Ingwer als Gewürz, als Heilmittel und
Aphrodisiakum genutzt. In der Ayurveda heisst es vom Ingwer: Er entfache das innere göttliche und schöpferische Feuer, stärkt den Kreislauf und reinige den Darm. Im Koran wird er sogar als heilige Pflanze erwähnt. Der Wurzelstock dieser Pflanze ist reich an ätherischen Ölen.

Kakao

Kakao ist mehr als 4000 Jahre alt. Seine aphrodisierende Wirkung beruht auf dem Phenylethylamin. Das Schokoladengetränk gilt als Stimulierungsheld und wirkt wohltu­end als Nervennahrung.

Die biochemische Funktion von Tocopherol ist nicht vollständig geklärt. Es greift in die Redox-Vorgänge des Intermediärstoff­wechsels ein und verhindert als Radikalen­fänger die Peroxidbildung ungesättigter Fettsäuren sowie die Oxydation anderer körpereigener Substanzen.

Vitamin E

Die Anwendung einzelner Vitamine wie z.B. das Vitamin E in höheren Dosierun­gen zur Leistungssteigerung, Leberthera­pie, Infektionsabwehr, Tumorprophylaxe oder als Geriatrikum bzw. hier als Aphro­disiakum erscheint theoretisch plausibel.

Kürbissamen

Der Samen von Kürbis enthält Tocopherol. Lange Zeit vor Columbus bauten die Urein­wohner an den kanadischen Seen verschie­dene Kürbissorten an. Der Kürbis war für die Indianer Nahrungsmittel und Aphrodi­siakum zugleich. So zeigten Frauen ihre se­xuelle Bereitschaft nach Kauen von Kürbis­samen. Die Schulmedizin benutzt Kürbis bei Prostataleiden und Miktionsstörungen.

Muskatnuss

Die Muskatnuss enthält ätherisches Öl. Schon Hildegard von Bingen wusste von der Wirkung der Muskatnuss auf das menschliche Bewusstsein. Zur Zeit des Dioskurides versetzte man Weine mit Muskat, um den Liebestrieb zu entfachen.

Nelke

In der ayurvedischen Medizin wird eine Mischung von Nelke mit Ingwer als kräftigend, schmerzstillend und entzündungs­hemmend beschrieben. Das Öl der Gewürznelke kann antiseptische und betäubende Eigenschaften entwickeln. Als Aphrodisiakum ist es in einer Vielzahl berauschender Opiummischungen enthal­ten: Es soll das erotische Verlangen und die sexuelle Empfindsamkeit steigern. Kauen von Nelken sorgt für eineng einen Atem beim Liebesspiel.

Petersilie

Das Geheimnis der Petersilie liegt in der aromatischen Wurzel. Sie enthält eine hohe Konzentration an ätherischen Ölen. Nimmt man eine starke Petersilienwurzel­zubereitung ein, so kann dies einen hefti­gen Rausch oder starke erotische Phantasi­en hervorrufen. Im Mittelalter galt die Petersilie als Hexenkraut und aphrodisisch wirkende Pflanze. Die Gassen, in denen Prostituierte ihrem Gewerbe nachgingen, hießen oft „Petersiliengassen“.

Yohimbre Rinde

Die Rinde des Yahimbdbaurns, beheima­tet in Westafrika, ist wohl das bekannteste pflanzliche Aphrodisiakum und eines der wirksamsten. Sie enthält mehrere Alkaloide, wovon Yohimbin das bedeutendste ist. Die Yohimbrerinde wird sowohl bei hart­näckiger Impotenz als auch bei Frigidität verschrieben. Aber Vorsicht, Yohimbin zeigt eine Reihe von unerwünschten Nebenwir­kungen wie Erregungszustände, Tremor, Schlaflosigkeit, Angst, Blutdruckerhöhung, Tachykardie, Übelkeit und Erbrechen. Des­halb sollte es nur auf ärztlichen Rat einge­nommen werden.

Rosmarin

Die Heimat des Rosmarins ist der Mittel­meerraum. Eine alte deutsche Redewendung lautet: „Besteck die Brust mit Rosmarin, die Liebe wird nicht mehr entIliehn!“ Wie al­le aromatischen Pflanzen war der Rosmarin der Aphrodite oder Venus geweiht. Im Mit­telalter wurden Rosmarinbüschel als Liebes­zauber verwendet. Man nutzte sie als Weihrauchersatz und aromatisches Weih­gewürz. Den Schamanen galt die Pflanze als Zauberkraut. Im 16. Jahrhundert gelang es, aus Rosmarinblüten durch Alkoholdestil­atian das berühmte „ungarische Wässerchen“ herzustellen, welches Königin Isabella im Alter von 72 Jahren von quälenden Gelenkschmerzen befreite. Das ätherische Öl des Rosmarins ist ein wichtiger Bestandteil von Kölnisch Wasser.

Rosmarinbäder wir­ken entspannend und aphrodisierend. Sie sind anregend erfrischend und steigern die körperliche Sensibilität. Der Badezusatz hinterlässt eine angenehm erregte Haut, die sich seidig anfühlt und den Partner zu heißen Umarmungen verführt.

Sabalfrüchte

Der Gebrauch von Sabalfrüchten als Aphrodisiaka oder als Zusatz zu anregen­den Elixieren und Liebestränken ist heute weltweit verbreitet. In den Früchten der Palme fanden Chemiker ein fettes Öl, Fettsäuren, ein bis in die 90er Jahre völlig unbekanntes Alkaloid, ätherisches Öl und eine östrogenähnliche Substanz. In der
homöopathischen Heilkunst haben Sa­balpräparate einen festen Platz.

Vanille

Die Vanille, aus dem mexikanischen Regenwald stammend, war schon im alten Amerika ein begehrtes Gewürz und Aphrodisiakum. Der Duftstoff der Vanille, das Vanillin, ist chemisch verwandt mit den Pheromonen, den Sexuallockstoffen des Menschen, die er bei sexueller Erregung verströmt. Daher rührt auch die erotisch stimulierende Kraft der Vanille.

Weinrebe

Die Weinrebe stammt vermutlich aus Kleinasien. Nicht selten endeten die Feste der Griechen zu Ehren des Weingottes Dionysos durch den reichhaltigen Genuss des aphrodisischen Getränks orgiastisch. Wein entfaltet in geringen Mengen eine angenehm stimulierende und aphrodisierende Wirkung, aber einer Überdosis werden Delirien und Zustände der Bewusstlosigkeit bewirkt.

Zimt

Zimt wurde schon vor 4700 Jahren in chi­nesischen Kräuterbüchern erwähnt. Seine bekanntesten Wirkstoffe sind Zimtaldehyd, Eugenol, Trans-Zimtsäure und einige Gerb­stoffe. Zimt harmonisiert Körperrhythmen, stimuliert sämtliche Körperkreisläufe und öffnet Körper und Geist für ein aufregen­des und erfülltes Liebesspiel. Es gibt Zimt­sorten, die geraucht ähnliche Erscheinun­gen wie Marihuana hervorrufen.