Dauererektion nach Viagra & Co – was tun?

Eine Dauererektion oder Priapismus, wie die das Phänomen medizinisch genannt wird, ist eine Erektion, die vier Stunden oder länger anhält. Der Name Priapismus ist auf den griechischen Gott Priapos zurückzuführen, dem Gott der Fruchtbarkeit, der in vielen Darstellungen mit erigiertem Penis zu sehen ist. Man unterscheidet zwischen „Low Flow“-Priapismus, „High Flow“-Priapismus und „Stuttering“-Priapismus. Letztere Form tritt wiederholt auf, wobei der Schwellkörper zwischen flasziden und erigierten Phasen wechselt.

Der herkömmliche Priapismus bleibt lange über die sexuelle Stimulation hinaus bestehen und lässt von selbst nicht nach. Dies kann Schmerzen und Unwohlsein hervorrufen. Wird die Dauererektion nicht behandelt, bestehen große gesundheitliche Risiken und es können Folgeschäden auftreten. Ursächlich sind oft verschreibungspflichtige erektionsfördernde Medikamente wie Viagra und Co.

Ursachen für eine Dauererektion

Eine Dauererektion kann aus verschiedenen Gründen entstehen. Oft tritt sie auf, nachdem Viagra und vergleichbare Präparate eingenommen wurden. Wenn diese Medikamente überdosiert oder in Verbindung mit anderen Mitteln konsumiert werden, können Nebenwirkungen wie der Priapismus auftreten.

Auch Arzneimittel, die in den Penis injiziert werden, wie zum Beispiel Prostaglandin E1 oder Papavarin, führen unter Umständen zu einer andauernden Erektion. Daneben können aber auch scheinbar harmlose Medikamente einen Priapismus hervorrufen, etwa Kalziumblocker oder Prazosin sowie diverse Antikogulantien. Hormonen und Nahrungsergänzungsmitteln werden ähnliche Nebenwirkungen nachgesagt.

Weitere mögliche Auslöser für eine Dauererektion sind Erkrankungen des metabolischen Systems – etwa Diabetes oder das nephrotische Syndrom – und neurologische Erkrankungen wie Verletzungen der Nervenbahnen. Infolge von Tumorerkrankungen und Erkrankungen des Blutsystems wie Polycythemia Rubera Vera kann es ebenfalls zu dem schmerzhaften Phänomen kommen. Lässt sich die Dauererektion keiner dieser Ursachen zuordnen, spricht man von einem idiopatischen „Low Flow“-Priapismus.

Risiken einer Dauererektion

Dauert eine Erektion länger als üblich an, werden die Gefäße und Nerven einer hohen Belastung ausgesetzt. Wird der Priapismus nicht behandelt, können daher Folgeschäden auftreten. Wie schwer diese ausfallen, hängt von Intensität und Dauer der Erektion ab. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer erektilen Dysfunktion bis hin zum vollständigen Potenzverlust. Durch den Blutstau kommt es zu einem Sauerstoffmangel und das Gewebe im Penis wird nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Folge kann eine sogenannte Gangräne sein: ein Absterben des Gewebes, welches meist nicht rückgängig zu machen ist. Auch kann es zu einer Penisverkrümmung (Penisdeviation) kommen.

Fernarzt

Wird die Erektion zügig behandelt oder schwillt von selbst ab, treten im Normalfall keine Folgeschäden auf. Betroffene können verschiedene Gegenmaßnahmen einleiten, um den Priapismus zu lindern.

Dauererektion – diese Maßnahmen können helfen

Wenn nach der Einnahme eines Potenzmittels wie Levitra oder Cialis eine Dauererektion auftritt, können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden. Zunächst bieten sich konservative Maßnahmen wie Kühlung und Kompression an. Auch entzündungshemmende Medikamente dürfen in Rücksprache mit dem Arzt als akute Erstmaßnahme eingesetzt werden.

Sollte die Erektion nach spätestens vier bis sechs Stunden nicht abgeklungen sein, muss ein Arzt konsultiert werden. Es handelt sich um einen medizinischen Notfall, der im schlimmsten Fall dauerhafte gesundheitliche Folgen haben kann. Der Arzt kann die Dauererektion durch Gabe von Medikamenten behandeln. In der Regel werden Präparate mit dem Wirkstoff Terbutalin verabreicht, um die Erektion zum Abschwellen zu bringen. Diese werden direkt in den Penis injiziert, um eine effektive und sofortige Wirkung zu erzielen.

Tritt dadurch keine Besserung ein, wird mittels einer Spritze das angestaute Blut aus dem Schwellkörper herausgesogen. Dadurch kann ein Druckabbau erzielt werden, wodurch die Erektion nachlässt. Anschließend verordnet der Arzt gefäßverengende Mittel wie zum Beispiel Etilefrin oder Epinephrin.

Als letzte Maßnahme muss ein operativer Eingriff durchgeführt werden. Dabei wird entweder der venöse Abfluss verbessert oder die arterielle Blutzufuhr zum Penis blockiert.

Bei einer High Flow Dauererektion muss der Auslöser lokalisiert und mittels eines künstlichen Gefäßverschlusses, welcher durch einen Katheder in den Schwellkörper gelegt wird, geschlossen werden. Ein „High Flow“-Priapismus bildet sich in 60 Prozent der Fälle spontan von selbst zurück.

Bei krankheitsbedingten Ursachen muss begleitend die ursächliche Erkrankung behandelt werden. Bei chronischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose gestaltet sich dies als schwierig, weshalb die Betroffenen auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen sind.

Liegen die Ursachen in übermäßigem Alkoholkonsum oder Drogenmissbrauch begründet, bietet sich ein Entzug an. In Begleitung mit dem Arzt können die Auslöser behoben und der Priapismus effektiv behandelt werden.